"Natürliche Kunstfasern" – ein Widerspruch?

Luftig und kühlend wie Seide, aber aus Pflanzen – das sind die modernen Viskosefasern. Was macht sie so nachhaltig? Und was ist eigentlich der Unterschied zwischen Tencel, EcoVero und Co.?

Kleidung aus Bäumen?

 

Ja, richtig gelesen. Tencel, Ecovero und Co. sind eine Art Viskose aus Holzfasern. Bei uns zum Beispiel meist Buchenholzfasern, es gibt aber auch viskoseähnliche Stoffe aus Eukalyptus- oder Bambusfasern.

 

Der Begriff "Viskose" (oder auch Rayon oder Kunstseide) ist euch vermutlich allen schon mal über den Weg gelaufen. Diese Faser gibt es schon seit 1892. Damals wurde zum ersten Mal eine Chemiefaser aus Cellulose (also recycelten Holzfasern) im Nasspinnverfahren hergestellt. Viskose heißt der Stoff deshalb, weil die Fasern im Verfahren zäh und langgezogen, also viskos, werden. Die Cellulose wird dabei chemisch so sehr behandelt, dass Viskose als Chemiefaser gilt. Sie hat also nicht mehr allzu viel mit ihrem organischen Ausgangsmaterial zu tun.

Zudem wird bei der Herstellung enorm viel Wasser gebraucht, was die klassische Viskose nicht gerade zu einer sehr nachhaltigen Faser macht. Natürlich schneidet sie im Gegensatz zu rein synthetischen Fasern wie Polyester ein wenig besser ab, allerdings sind die verwendeten Chemikalien nicht ungefährlich für Umwelt und Grundwasser.

 

Gibt es da nicht was Besseres?

 

Ja! Denn mit dem Lyocell-Verfahren werden die Fasern statt mit giftigen Lösungsmitteln mit N-Methylmorpholin-N-oxid behandelt. Das ist zwar auch ein Lösungsmittel, produziert aber viel weniger Abfallstoffe bei der Herstellung und ist auch nicht toxisch. Auch kann beim Lyocell-Verfahren der Wasserverbrauch um bis zu 50% gesenkt werden.

Es handelt sich also immer noch um eine Kunstfaser aus natürlichen Rohstoffen, die aber weitaus ressourcenschonender ist als die klassische Viskose– und übrigens auch als Baumwolle.

Zudem wird gerade beim Wasserverbrauch vermehrt auf geschlossene Kreisläufe geachtet.

Das für den Zellstoff verwendete Holz für das Lyocell-Verfahren stammt zum überwiegenden Teil aus nachhaltiger Forstwirtschaft in Österreich und Europa. Das Holz ist außerdem zum Großteil mit dem FSC® Siegel zertifiziert.

 

Und was ist nun der Unterschied zwischen Tencel, Lyocell und Co?

 

Wir geben zu: dieser Punkt ist ganz schön verwirrend. Oft hat man das Gefühl, dass es sich bei den verschiedenen Fasern um ganz unterschiedliche Materialien handelt.

Das ist so nicht ganz richtig. 'Lyocell' beschreibt lediglich das von der österreichischen Firma Lenzing entwickelte Verfahren zur nachhaltigeren Viskose-Herstellung.

Mittlerweile umfasst die Produktpalette mehrere Eigenmarken, unter anderem TENCEL™– gibts als TENCEL™ Lyocell, TENCEL™ Modal und TENCEL™ Lyocell Filament – und LENZING™ ECOVERO™, nach Angaben der Firma eine noch nachhaltigere Viskose (weniger Wasser, geschlossener Kreislauf der Lösungsmittel, zertifiziert nachhaltige Holzquellen).

Die TENCEL™ Fasern unterscheiden sich in ihrer Qualität. So ist TENCEL™ Lyocell für Alltagskleidung und Heimtextilien besonders geeignet, da es besonders atmungsaktiv und temperaturregulierend ist. Modal ist die gleiche Faser, jedoch etwas anders aufbereitet. So ist sie besonders reißfest und hat einen schönen samtigen Glanz. Konventionellen Modal gibt es von vielen Herstellern, ist also nicht ausschließlich bei Lenzing zu finden. Lyocell Filament ist sozusagen die Tencel-Luxusvariante und fließend wie Seide.

 

Wir hoffen, das bringt etwas Licht in den Faserdschungel!

Bei uns findest du jedenfalls einige tolle Produkte aus Tencel und EcoVero. Mittlerweile gibt es auch schöne Mischungen, beispielsweise mit Baumwolle. Die Mischung ist weicher und flauschiger als reine Baumwolle, hat oft einen schönen Glanz und einen eleganten Fall.

Ein prima Material, wenn man weiß, worauf es ankommt!

 

Fazit: Chemisch heißt jedenfalls nicht immer "schlecht" – schließlich ist Chemie überall, auch im natürlichsten Umfeld ;)

Und ja: Kunstfasern aus natürlichen Rohstoffen sind kein Widerspruch in sich und KÖNNEN nachhaltig sein – es lohnt sich aber, wie bei so Vielem, gut informiert zu sein.

 

Ihr interessiert euch für weitere spannende Materialien? Dann löchert uns gerne mit Fragen und bleibt gespannt, was wir hier auf dem Blog und im Newsletter noch so alles zu erzählen haben.

 

Alles Liebe

Lisa

 

 

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